Das Jahr 2003

Und wieder sind 25 junge Menschen aus Bremen in der Hauptstadt Belarus gelandet und durchstreifen in kleinen Gruppen die sicherste Hauptstadt Europas.
Das Wetter und die Stimmung sind großartig, die Diskussionen lebhaft und es gibt viel zu entdecken und zu erleben. Wir besuchen verschiedene Jugendorganisationen, die es laut belarussischem Staat eigentlich gar nicht geben darf, treffen uns mit einem deutschen Journalisten, der schon lange in Belarus lebt und hier für den Rundfunk arbeitet.

Seine Darstellung der Lage ist so niederschmetternd, dass wir am Ende eher ratlos dastehen und gar nicht begreifen wollen, dass die Bevölkerung eines Landes so regiert werden will. Ausgelöst durch die Begegnung mit einem totalitären Regime, tauchen in unserer Gruppe Überlegungen darüber auf, dass die Freiheit, die wir in Deutschland genießen, ja gar nicht so groß ist wie alle glauben. Dass auch bei uns der Staat Zensur betreibt und Missliebiges lieber zum Schweigen bringen will bzw. den Andersdenkenden das Leben schwer macht … Jammern auf hohem Niveau? Ist das Leben in einem Staat nicht immer an Regeln gebunden, die einen mehr oder weniger einschränken?
Und zweifelsohne sind die Einschränkungen von staatlicher Seite hier in Belarus viel massiver: Es gibt keine Jugendzentren, keine Protestkundgebungen, kaum alternative Zeitungen, kaum Plakate an den Wänden. Karikaturen mit dem Präsidenten stehen unter Strafverfolgung, nur wenig anders gekleidete Jugendliche sind in den Straßen zu sehen … Doch -  man findet sie, nur muss man schon sehr genau suchen und tiefer hineingezogen werden in diese Stadt mit ihren riesigen Straßenzügen und hohen Wohnblocks, die an die Plattenbauten im Osten Deutschlands erinnern.
Und Alltag? Dieses Jahr mit dabei zwei Veganerinnen und der tägliche Kampf unserer Gastgeber um ihr leibliches Wohl …ist es für die öffentliche Küche schon schwer zu verstehen, dass es Leute gibt, die kein Fleisch essen, so ist das Wort „vegan“ jenseits jeder Verständlichkeit. Nur Sergej bemüht sich, vermittelt, kämpft um ein wenig Essen für unsere Teilnehmerinnen.
Es sind so viele Eindrücke, die wir mitnehmen: der Besuch in Nawinki, einem Heim für behinderte Kinder am Rande von Minsk, die Geschichtsfahrt mit Vasil, aber auch die Gastfreundlichkeit samt den vielen kleinen Extras, die unsere Gastgeber uns aus ihrer Heimat mitgeben möchten.
Zurück in Deutschland meint eine Teilnehmerin, wieder hier zu sein, da wird einem klar, in welchem Überfluss wir leben und wie viel unnötigen Luxus wir besitzen. Ja, aber er macht das Leben auch angenehmer …

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